Badlands 2026: Vier Tage und vier Stunden
Ungefähr acht Kilometer vor Granada stand ich neben dem Rad und rechnete. Noch einmal den Reifen reparieren oder gleich zu Fuß weiter?
Am Sonntag davor, um acht in der Früh, hatte ich auf dem Startplatz in Granada gestanden. Ich war gesund, das Rad war endlich fertig, und ich war so gut vorbereitet, wie es nach diesem Jahr eben möglich gewesen war. Den Startplatz im Vorjahr hatte ich nicht nutzen können. Diesmal war ich da. Ich war schon damit ziemlich zufrieden.

Badlands führt auf einer festgelegten Gravelstrecke durch die Berge und Wüsten Andalusiens, ans Mittelmeer und zurück nach Granada. Wir hatten 811 Kilometer vor uns. Für Essen, Schlafplätze und Reparaturen waren wir selber zuständig. Ich hatte mir dafür vier Tage und drei Nächte vorgenommen. Das kam mir ehrgeizig vor, aber nicht völlig abwegig.
Mitgebracht hatte ich einiges
Im Mai war ich bei Seven Serpents nach 528 Kilometern und 54 Stunden und 35 Minuten ins Ziel gekommen. Nach den Schwierigkeiten mit dem Wintertraining gab mir das Zuversicht für Badlands. Mein Rücken hatte mir beim Rennen allerdings Probleme gemacht. Zur Vorbereitung gehörten deshalb auch Rumpf- und Krafttraining.
Zwei Wochen vor Badlands fuhren wir auf Familienurlaub nach Spanien. Vor der Surfschule in El Palmar baute ich mein Rad in der prallen Sonne zusammen. Damit hatte das Hitzetraining begonnen, bevor ich auch nur zu einer Ausfahrt gekommen war.
Ich hatte auch eine kleine rot-schwarze Plastikhülse aus Wien mitgebracht. Fast hätte ich sie weggeworfen. Die SRAM-Anleitung erklärte es mir: zur Schaltwerksbefestigung. Genau dort hatte ich sie weggelassen. Vor der ersten Ausfahrt musste das Schaltwerk wieder herunter.

Viel Training war jetzt nicht mehr nachzuholen. Mehr Belastung hätte mich vermutlich nur müde gemacht. Ich fuhr kurze Runden in Hitze und Sand, nahm Surfunterricht und spielte mit der Familie Paddle-Tennis.
Nach einem Vormittag am Caminito del Rey fuhr ich bei Cala de Mijas noch eine Runde mit dem Rad. Schon ein paar Kilometer von der Küste entfernt wurde es so wild und steil, dass ich stellenweise weder hinauf noch sicher hinunterfahren konnte. Ich schob in beide Richtungen. Den Spaziergang am Vormittag hatte ich geplant.
Eine Woche vor dem Start entdeckte ich, dass das Verbindungsstück am Tailfin-Träger seitlich verbogen war. Das Teil sollte mein Gepäck am Rad halten. Tailfin reagierte sofort und schickte Ersatz per Express ins Hotel nach Granada. Zwischen Einpacken und Essensplanung schaute ich nun auch nach, ob ein Paket rechtzeitig ankommen würde.

Der Ersatz war am Donnerstag im Hotel. Ich kam am Freitag. Am Samstag in der Früh montierte ich das Verbindungsstück. Es ist angenehm, wenn wenigstens ein Teil der Ausrüstung früher ankommt als man selber. Danke, Tailfin.
Im Hotel begegneten mir immer mehr sehr schlanke, sehr professionell aussehende Teilnehmer mit ihren Carbonrädern. Mit jedem wurde ich ein wenig nervöser. Ich fühlte mich für die Schwergewichtsklasse zuständig. Ein gewisser Vorrat am eigenen Körper könnte vier Tage lang ja nützlich sein.


Am Samstag ging ich mit meiner Familie durch Granada, auf dem Weg zur Akkreditierung noch in eine Bäckerei. Bei der Veranstaltung waren dann Leute, deren Gesichter ich bisher vor allem vom Bildschirm kannte. Chris Hall etwa. Bruno kannte ich von Seven Serpents. Das Gespräch mit Ulrich Bartholmoes hat mir besonders getaugt. Er gab mir viele Tipps, darunter den, bei der Hitze eine zusätzliche Flasche mitzunehmen. Wasser zum Über-den-Kopf-Gießen, nicht bloß zum Trinken.
Die günstige Rechnung
In Gor, Agua Amarga und Alboloduy wollte ich schlafen, mit ungefähr vier Stunden Aufenthalt an jedem Ort. Ein Bett hatte ich nirgends gebucht, weil man das vor dem Start noch nicht durfte. Wann ich wo sein wollte, stand in der Tabelle. Wo ich mich hinlegen würde, musste ich unterwegs herausfinden.
Für die Fahrzeiten nahm ich Abschnitte von Seven Serpents mit ähnlichen Längen und Höhenmetern und gab fünfzehn Prozent Zeit dazu, für Gorafe und Tabernas zwanzig. Über die ganze Strecke ergab das ungefähr 13,4 km/h in Bewegung.
Die günstige Rechnung brachte mich am Mittwochnachmittag zurück nach Granada. Donnerstag zwischen Mitternacht und vier in der Früh erschien mir realistischer. Zielschluss war am Donnerstag um acht am Abend.
| Etappe | Abfahrt | Ankunft |
|---|---|---|
| Granada → Gor~230 km · ~5.200 Hm ~17,7 h Fahrzeit | So 08:00 | Mo 03:23 |
| Gor → Agua Amarga~232 km · ~4.200 Hm ~16,1 h Fahrzeit | Mo 07:23 | Di 00:46 |
| Agua Amarga → Alboloduy~178 km · ~3.900 Hm ~13,4 h Fahrzeit | Di 04:46 | Di 19:30 |
| Alboloduy → Granada~171 km · ~4.300 Hm ~13,2 h Fahrzeit | Di 23:30 | Mi 14:04 |
Vier Sackerln mit Riegeln und Gels waren gepackt, eines pro Tag. Sie sollten etwa vierzig Gramm Kohlenhydrate pro geplanter Fahrstunde liefern. Dazu kamen Elektrolyte. Den Rest musste ich unterwegs in Geschäften und Lokalen bekommen.
Die Wettervorhersage sagte 17 bis 33 Grad, der spanische Wetterdienst 38 Grad im Landesinneren. Die Regenjacke nahm ich trotzdem mit.
Granada bis Gor
30.–31. August · ~229 km aufgezeichnet · ~4.600 Höhenmeter
Aus Granada fuhren wir zunächst hinter Polizeiautos hinaus, die ersten Kilometer waren neutralisiert. In Polícar gab es für mich zwei Eislutscher, frisches Wasser und ein Cola zum Mitnehmen. Für die größere Mahlzeit hatte ich Gorafe vorgesehen.




Auf einer Abfahrt bei Fonelas bekam das Rad am Nachmittag einen Schlag. Der Lenker drehte sich in seiner Klemmung nach unten. Ich stürzte. Zum Glück war ich unverletzt, und gebrochen war am Rad auch nichts.

Ich brachte Carbonpaste auf die Klemmung und zog sie fest. Danach hielt sie bis zum Ende. Ich vermute noch immer, dass das Gewicht von Tasche und Wasserblase auf dem Lenkeraufsatz zum Verdrehen beigetragen hat. Vor der ersten Nacht kontrollierte ich jede Schraube am Cockpit mit der Hand.
Gegen sechs kam ich nach Gorafe. Viele Fahrer machten hier vor der Wüstenschleife Pause. Ich aß, trank Coke, füllte Wasser nach und packte noch eine Coke für unterwegs ein.
Draußen lief beim Wegfahren Stairway to Heaven von Led Zeppelin. Ich höre die gern.


In Villanueva de las Torres war ich dann eine Stunde hinter meinem Zeitfenster. An den steilen Stellen hatte ich lieber geschoben, statt mich mit ungefähr 300 Watt hinaufzudrücken. Ich wollte die Beine schonen und keine Krämpfe bekommen. Dazu hatte ich das Gefühl, in Gorafe zu viel Wasser genommen zu haben. Es fuhr vorn und hinten mit und musste jeden Berg mit hinauf.
Die Frage, wo ich schlafen würde, hatte ich mir für Freila aufgehoben. Dort wollte ich entscheiden, ob noch genug für Gor übrig war.


Freila lag im Dunkeln und schlief. Im Ort war es sehr steil, bis Gor fehlten noch 26 Kilometer und 600 Höhenmeter. Ich entschied mich fürs Weiterfahren.
Kurz nach fünf in der Früh legte ich in Gor die Matte an die Holzbande der Stierkampfarena und mich in den Schlafsack. Ich schlief ungefähr zwei Stunden.

Am Morgen kaufte ich im Supermarkt ein, der für das Rennen rund um die Uhr offen hielt. In einem Hinterhof hatten Leute einen Gartenschlauch für uns hergerichtet. Ich spülte mich ab und das Rad gleich mit. Das waren für mich in dem Moment fünf Sterne.
Gor bis Lucainena de las Torres
31. August–1. September · ~171 km aufgezeichnet · ~2.800 Höhenmeter
Von Gor fuhr ich mit der Hoffnung weg, noch in dieser Nacht am Meer in Agua Amarga anzukommen. Zuerst musste ich über den Calar Alto. Dazu gehörte der längste Abschnitt der Strecke ohne Versorgungsmöglichkeit.


Auf dem langen, heißen Anstieg hielt ich nach Schatten Ausschau. Wo ein Baum oder ein Felsen welchen hergab, blieb ich kurz stehen. Dann fuhr ich weiter.
Einmal war ich knapp davor zu weinen. Ich weiß nicht genau, warum. Ich hörte Musik, vielleicht spielte das mit hinein.

Schließlich kamen die Kuppeln der Sternwarte. Ich war oben. Danach führte die Straße in langen Kehren hinunter Richtung Velefique.


Im ersten Restaurant nach der Abfahrt, dem Restaurante Alto de Velefique, bestellte ich zwei Bocadillos, nur mit Schinken und ein wenig Olivenöl. Dazu nahm ich Wasser, Cokes und ein Aquarius.
Ein paar Kilometer hinter Velefique überholten mich zwei Fahrer und fragten, ob ich eine Tube Sitzcreme verloren hätte. Ich hatte nicht bemerkt, dass sie aus meiner Tasche gefallen war. Sie hatten die Tube gefunden, und einer der beiden hatte sie inzwischen wieder verloren. Damit wusste ich immerhin, dass sie weg war. Der andere gab mir ein kleines Päckchen Sitzcreme aus seinem Vorrat.
Die beiden fuhren weiter. Wenn der Hintern einmal wund war, konnte das ohne Sitzcreme mein Aus sein. Ich überlegte, welcher Ort als Nächstes käme.
Ungefähr zehn Minuten später fuhr wieder jemand neben mich. Ob ich eine Tube Sitzcreme verloren hätte? Er hatte sie dabei.
Ich war so froh, die Tube wiederzuhaben. Ich fuhr schneller, holte die beiden ein und gab dem einen sein kleines Päckchen zurück.

In Tabernas saßen im Hostal El Puente viele Fahrer beim Essen, andere richteten sich schon für die Nacht ein. Einige hatten Zimmer gebucht. Ich suchte kurz nach einem Bett und fand keines. Wobei ich nicht sicher bin, ob ich wirklich eines haben wollte. Die ersten beiden Nächte draußen zu verbringen war ohnehin vorgesehen gewesen.
Es war voll in der Bar und in der Unterkunft. Ich glaube, ich wollte auch ein wenig allein sein. Weiterkommen wollte ich sowieso. Agua Amarga würde ich in dieser Nacht nicht mehr erreichen, aber bis Lucainena de las Torres waren es 29 Kilometer. Das erschien mir machbar.
Kurz nach elf fuhr ich weg. Damit ich mich draußen allein nicht zu sehr fürchtete, hörte ich einen Podcast. Gleich am Anfang schien die GPS-Anzeige ein wenig daneben zu liegen. Zwei- oder dreimal suchte ich den Weg und nahm die Ersatznavigation am Handy dazu.
Für einen Moment dachte ich, dass es eine schlechte Idee gewesen war, noch aufzubrechen. Ein bissl müde war ich wahrscheinlich auch.
Gegen Ende hatte ich leichte Halluzinationen. Sie machten mir keine Angst, und ich fühlte mich weiterhin wach.
Um halb drei war ich in Lucainena. Beim Hotel antwortete niemand, also legte ich mich in einen kleinen Park. Das Ventil der Matte war kaputt. Schlafsack und Polster hatte ich noch, und ich schlief auf dem Boden.

Lucainena bis Almería
1. September · ~157 km aufgezeichnet · ~1.800 Höhenmeter
Ich hatte auf der platten Matte besser geschlafen als erwartet. Zum Frühstück aß ich einen meiner mitgebrachten Riegel und fuhr um sechs los.
Vor mir lag ein langer, gerader Schotterweg, eben oder vielleicht leicht bergab. Ich legte die Arme auf den Lenkeraufsatz und trat durch die Dunkelheit. Der Schotter rollte gut. Es tat gut, so flott voranzukommen.
Kurz vor neun roch ich das Meer. Zwischen den Hügeln war ein grauer Streifen zu sehen.


Agua Amarga, wo ich eigentlich hatte aufwachen wollen, durchquerte ich am späten Vormittag. Seit der zweiten Nacht beschäftigte ich mich nicht mehr mit dem ursprünglichen Stundenplan. Almería blieb ein Ziel.
In Pozo de los Frailes bestellte ich zu Mittag dasselbe wie der Mann am Nebentisch. Es war leicht scharf und erinnerte mich ein wenig an Gulasch.




Hinter dem Leuchtturm von Cabo de Gata lagen die Salinen. Flamingos flogen über die Lagune davon. Ein Mann vom Medienteam erzählte mir, dass er sie hier in sieben Jahren zum ersten Mal gesehen habe.
Danach führte der Weg in den Sand, an einem Zaun entlang. Mit dem Fahren war es dort vorbei. Ich schob.


Als dieser Abschnitt geschafft war, glaubte ich, in Almería zu sein. Am Strand gab es eine Dusche. Ich stellte mich in der Radkleidung darunter, machte Schuhe und Socken sauber und erneuerte die Blasenpflaster an den Füßen.
Ich war noch gar nicht in Almería.
Das merkte ich erst beim Weiterfahren. Zwei Sandstücke kamen noch, und streckenweise musste ich wieder schieben. Bald hatte ich den Sand wieder in den Schuhen. Die hatte ich gerade erst sauber gemacht. Ich ärgerte mich über mich selber.
Gegen sieben am Abend erreichte ich Almería tatsächlich. Bis Alboloduy waren es noch neunzig Kilometer. Ich wollte weiter, aber auch duschen, eine frische Radhose anziehen und vernünftig schlafen. Beide Powerbanks, die Lichter und die Insta360 brauchten Strom.
Nach der Hitze am Calar Alto hatte ich außerdem die Hoffnung, nachts besser aus der Stadt hinaufzukommen. Ich nahm ein Zimmer, schlief etwa zweieinhalb Stunden und brach kurz nach Mitternacht wieder auf.
Almería bis Charches
2.–3. September · ~155 km aufgezeichnet · ~4.000 Höhenmeter · mit der Pause in Enix
Es war nach Mitternacht und immer noch heiß. Nach den ersten Kilometern war die frische Radhose wieder durchgeschwitzt. Schon in der Streckenbeschreibung hatte mich dieser Teil nervös gemacht: ungefähr dreitausend Höhenmeter auf den nächsten hundert Kilometern, und danach noch ein Pass.
Hinter Almería war mir die Strecke weniger vertraut. Ich achtete besonders auf die Anstiege, die noch vor mir lagen. Sechshundert oder siebenhundert gefahrene Kilometer würden nicht bedeuten, dass es nun eh bald vorbei wäre.
Für das Hinauffahren brauchte ich den Rest der Nacht. Die Belastung im Kopf hatte ich unterschätzt.

Kurz vor fünf legte ich mich in Enix vor der Bar La Plaza auf den Boden. Dort schlief ich noch einmal eineinhalb Stunden.


In Íllar besorgte ich in der Apotheke Blasenpflaster für die Fersen und aß gute Pasta. Nach dem Essen war es so heiß, dass ich mich am Brunnen unter die Palmen legte. Ich schlief kurz.


Um halb drei am Nachmittag war ich im Aca La Mari in Alboloduy. Die Frau hinter der Theke füllte meine Trinkblase und eine Flasche mit Eiswürfeln.


Den ersten Patschen hatte ich im Anstieg aus dem Ort. Ich reparierte ihn in der Sonne. Über die Eiswürfel war ich dort besonders froh.


Der Anstieg ging noch etwa zwei Stunden weiter, erst auf zerbrochenem Beton und dann auf Erde. Hinter mir öffnete sich das Tal.
Im Dunkeln bei Huéneja verlor der Reifen wieder Luft. Die Reparaturwürste hielten diesmal nicht, also baute ich im Licht der Stirnlampe einen Schlauch ein. Eine Stunde später verlor auch der wieder Luft.
Ich hatte den Dynaplug im Reifen gelassen. Mitsamt seiner Metallspitze.
In Charches fand ich den Brunnen, auf den ich gehofft hatte. Eine Straßenlaterne gab es auch. Um halb zwei in der Früh leerte ich die vordere Wasserblase aus, damit ich das Rad leichter handhaben konnte, und putzte das Laufrad. Diesmal entfernte ich den ganzen Dynaplug, bevor ich den nächsten Schlauch einbaute.
Den Reifen montierte ich auch wieder in der richtigen Laufrichtung. Das hatte ich im Dunkeln nicht geschafft. Ich glaube allerdings nicht, dass die Richtung viel ausgemacht hat.

Bis Granada waren es noch hundert Kilometer. Ich musste über die Peña Bermeja und vor der Stadt über einen letzten steilen Anstieg, den ich wahrscheinlich großteils schieben würde. Eine ausgiebige Nacht in Charches hätte bedeutet, diese Berge in der Hitze des Donnerstagnachmittags vor mir zu haben.
Ich legte mich mit dem Schlafsack auf eine Bank und stellte den Wecker auf 2:45. Ob ich so schlafen könnte, wusste ich nicht. Ungefähr vierzig Minuten wurden es.
| Nacht | Geplant | Tatsächlich |
|---|---|---|
| 1. | Gor | Gor |
| 2. | Agua Amarga | Lucainena |
| 3. | Alboloduy | Almería, dann Enix |
| 4. | Schon im Ziel | CharchesKurz auf der Bank |
Charches bis Granada
3. September · ~102 km aufgezeichnet · ~1.600 Höhenmeter · nach dem Schlaf auf der Bank
Kurz vor drei fuhr ich wieder. In einem Dorf war die Bäckerei am Morgen noch geschlossen, Wasser konnte ich aber nachfüllen. Es schmeckte nach Chlor. Ich war nicht sicher, ob ich es trinken konnte, trank etwas und nahm auch welches mit. Später schüttete ich die halbe Flasche weg.
Nach der Peña Bermeja, ungefähr dreißig Kilometer vor dem Ende, begann die Vorderbremse zu schleifen und zu quietschen. Wie eine alte Windmühle aus Don Quijote. Ich wusste nicht, wie ich sie dort in Ordnung bringen sollte. Scheiß drauf, dachte ich, die dreißig Kilometer noch. Wenn ich den Bremshebel ein wenig angezogen hielt, verschwand das Geräusch. Ich musste die Bremse also betätigen, damit mich die Bremse in Ruhe ließ. Lästig war das weiterhin.
Bei Quéntar schien ich auf einer Trainingsstrecke der örtlichen Radfahrer gelandet zu sein. Mehrere Gruppen waren unterwegs, einige feuerten mich als Badlands-Teilnehmer an. Am Brunnen fragte ich einen Radfahrer nach dem Wasser. „Agua potable?“ Er sagte ja.
Ich trank und machte im Schatten eine Pause. Mir war schwindlig. Ich brauchte Zucker, musste mich aber dazu zwingen, einen Bissen vom Kauriegel zu nehmen.
Nach einer weiteren Abfahrt führte die Strecke auf steilen, gerillten Betonrampen wieder hinauf. Dass noch ein Anstieg kommen würde, hatte ich gewusst. Wie hart die letzten Anstiege sein würden, hatte ich so nicht erwartet.

Ich stand neben dem Rad, ungefähr acht Kilometer vor Granada. Noch einmal reparieren würde etwa so lange dauern wie hineinzuschieben. Ich wollte ins Ziel.
Ich schob los. Bergab rollte ich manchmal langsam auf der Felge. Am Berg hatte Schieben für mich Sinn gehabt, wenn es zum Fahren zu steil war. Über die Ziellinie hatte ich fahren wollen.
Ich schob das Rad bis ins Ziel in Granada.
Danach
Vor der Bar klatschten andere Fahrer. Die Veranstalter David Rodríguez und Chris Tonge gratulierten mir mit einem herzlichen „well done“. Ein Fahrer, den ich wiedererkannte, lud mich zu ihm und seiner Freundin an den Tisch ein.
Ich blieb kurz sitzen und trank ein alkoholfreies Bier aus einem eiskalten Glas. Es schmeckte sehr gut. Reden wollte ich nicht viel. Über das Ankommen war ich froh, über die Einladung auch.
Erst später, beim Schreiben über die Fahrt, fiel mir ein, woher ich den Fahrer am Tisch kannte. Er hatte mir die Tube Sitzcreme zurückgebracht.
Mein Gepäck und die Radtasche waren noch im Hotel, in dem ich vor dem Start gewohnt hatte. Es war ungefähr eine halbe Stunde zu Fuß entfernt. Mit dem platten Reifen und in der Hitze kam mir das viel weiter vor.
Unterwegs kaufte ich einen Smoothie mit kleinen Kugerl drin, so ähnlich wie bei Bubble Tea. Ich brauchte etwas Süßes für den restlichen Weg. Er hat so gut geschmeckt.
Nachtrag
Die Aufzeichnung endete bei 814 Kilometern, die geplante Strecke hatte 811. Offiziell brauchte ich 99 Stunden und 55 Minuten und wurde 129. im Solofeld. Die Zeitnahme lag vor den letzten drei neutralisierten Kilometern in die Stadt.
Einen Film gibt es auch. Die fünf Kalendertage dauern darin achtzehn Minuten.




















